Wannenmacherstraße 61, 48282 Emsdetten 02572/2872 verwaltung@martinum.de

Rekord beim Wettbewerb „Umbruchszeiten“

307 Beiträge bundesweit – Klasse 10c des Martinums blickt gespannt auf die Entscheidung im Juni

 

Die EV vom 03. Oktober 1990

Mit 307 eingereichten Beiträgen und damit fast 50 Prozent mehr als bei der vorherigen Wettbewerbsrunde verzeichnete der bundesweite Jugendwettbewerb „Umbruchszeiten – Deutschland im Wandel seit der Einheit“ in diesem Jahr eine Rekordbeteiligung. Beiträge aus allen 16 Bundesländern gingen ein, teilten die Veranstalter – die Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland und die Bundesstiftung Aufarbeitung – Anfang Februar in einer Pressemitteilung mit. Die besten Projekte werden am 15. Juni 2026 in Berlin ausgezeichnet.

Unter diesen 307 Beiträgen: die Klasse 10c des Gymnasiums Martinum in Emsdetten. Für die Schülerinnen und Schüler war die Teilnahme weit mehr als ein schulisches Projekt – sie wurde zu einer intensiven Reise in die jüngere deutsche Geschichte.

Unter der Leitung ihres Geschichtslehrers Daniel Peitz hatte sich die Lerngruppe mit dem diesjährigen Wettbewerbsthema „Neue Begegnungen“ auseinandergesetzt. Ziel war es, gesellschaftliche Veränderungen seit 1989/90 zu untersuchen und persönliche Perspektiven auf die Zeit des Umbruchs sichtbar zu machen.

Ein zentraler Bestandteil des Projekts war die Zusammenarbeit mit Dr. Frank Hoffmann von der Ruhr-Universität Bochum. Im Rahmen des Projekts „Zeitzeugen aus NRW – Demokratiearbeit und Diktaturerinnerung“, gefördert von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, kamen die Jugendlichen direkt mit Menschen ins Gespräch, die die DDR und den Systemwechsel selbst erlebt hatten.

So berichtete Alexander Richter-Kariger, 1949 in Potsdam geboren, von seiner Verhaftung 1983 wegen regimekritischer Äußerungen und seiner Haftzeit in der DDR. 1985 wurde er von der Bundesrepublik freigekauft. Wenig später besuchte auch Felix Heinz Holtschke die Klasse. Er hatte mehrfach Ausreiseanträge gestellt, war 1984 verhaftet und später ebenfalls freigekauft worden. Beide Begegnungen hinterließen bleibenden Eindruck und machten deutlich, welche persönlichen Konsequenzen politische Unfreiheit haben konnte.

Parallel dazu arbeiteten die Schülerinnen und Schüler in fünf Gruppen an eigenen Themenschwerpunkten. Aus diesen Gruppen gingen schließlich zwei Podcasts und drei Videoprojekte hervor, die fristgerecht zum 1. Februar eingereicht wurden. Nike, Thea, Emily, Luis, Julius, Nadim und Orhan widmeten sich in ihrem Beitrag der Rolle der Frau vor und nach dem Mauerfall. Sie untersuchten Unterschiede zwischen BRD und DDR, diskutierten Fragen der Gleichberechtigung im Berufsleben sowie Zukunftsperspektiven während der Umbruchzeit. Auf Vermittlung des Stadtarchivs luden sie Sabine Groth aus Emsdetten ein, die als Juristin in der DDR gearbeitet hatte. In ihrem Bericht schilderte sie eindrücklich ihren beruflichen Alltag, staatliche Rahmenbedingungen und die Herausforderungen nach der Wiedervereinigung.

Henri und Carlotta im Interview mit Reinhard Bertels, Abiturjahrgang 1977 am Martinum

Auch das Stadtarchiv Emsdetten wurde zu einem wichtigen Lernort. Unter Anleitung von Annelie Niethmann und Philipp Luig sichteten die Jugendlichen historische Ausgaben der Emsdettener Volkszeitung und analysierten, wie politische und gesellschaftliche Umbrüche damals aus westlicher Perspektive journalistisch eingeordnet wurden. Dabei wurde deutlich, wie stark Medien das öffentliche Geschichtsbild prägen.

Henri und Carlotta wiederum nahmen das Thema Sport in den Blick. Sie stießen auf die Ursprünge der „Emsdettener Wanne“, die 1985 am Plattensee in Ungarn gegründet wurde, und führten ein Interview mit Reinhard Bertels, Abiturjahrgang 1977 am Martinum.

Nun richtet sich der Blick nach Berlin: Am 15. Juni 2026 werden die Preisträgerinnen und Preisträger bekannt gegeben. Die Klasse 10c verfolgt die Entscheidung mit großer Spannung. Unabhängig vom Ausgang sind sich die Schülerinnen und Schüler einig, dass sie durch ihr Projekt mehr gewonnen haben als nur Wettbewerbserfahrung: neue Begegnungen, neue Perspektiven – und ein tieferes Verständnis für die Bedeutung von Freiheit und Demokratie.

Kontakt

Gymnasium Martinum
Wannenmacherstraße 61
48282 Emsdetten

Tel. 02572-2872
verwaltung@martinum.de