Schüler*innen rufen mit Stefan-Morsch-Stiftung zur Typisierung auf

Mit einer groß angelegten guten Tat läuten die Schülerinnen und Schüler des Gymnasium Martinum den Frühling ein: Sie möchten Lebensretter*innen werden für Menschen mit Leukämie. Mit der Stefan-Morsch-Stiftung, Deutschlands erster Stammzellspenderdatei, starten sie am Dienstag, 22. März, eine Typisierungsaktion – um möglichst viele neue Stammzellspender:innen zu gewinnen. Alle Interessierten sind hierzu herzlich eingeladen.

Nur wenige Minuten dauert die Aufnahme als mögliche Spender:in in der Schulaula: Am Stand der Stefan-Morsch-Stiftung gibt man einfach seine Kontaktdaten an, füllt eine Einverständniserklärung aus und nimmt sich dann unter Anleitung selbst eine Speichelprobe ab. Teilnehmen können Menschen von 18 bis 40 Jahren. Mit dem Einverständnis der Sorgeberechtigten ist eine Registrierung auch schon ab 16 möglich – spenden darf man jedoch erst mit 18. Der Termin findet am Dienstag, den 22. März 2022, von 9 bis 16 Uhr statt – am Gymnasium Martinum in Emsdetten, Wannenmacherstraße 61.

Der gemeinsame Aufruf mit der Stefan-Morsch-Stiftung hat Tradition: Er findet am Martinum bereits zum vierten Mal statt. Über 300 Menschen haben sich bei diesen Aktionen in der Vergangenheit bereits registriert. Die Biologie-Fachlehrerin Frau Dr. Schuh konnte tatsächlich mit einer Stammzellspende einer Leukämie-Patientin aus Belgien helfen: „Ich würde ich mich auf jeden Fall noch einmal zu einer Spende bereit erklären. Die Entnahme meiner Stammzellen dauerte 5 Stunden, in denen ich sehr gut betreut wurde. Ein vergleichsweise geringer Aufwand, wenn dadurch ein Mensch gerettet werden kann.“ Schulleiterin Anne Jürgens ist stolz auf den großen Erfolg der Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen Organisation: „Ganz im Sinne des Namensgebers und unseres Schulprogramm können die Schüler:innen bei diesem Projekt lernen, Verantwortung zu übernehmen, indem sie Schwächeren helfen. Blutkrebs kann für jeden ein Thema werden. Niemand möchte einen lieben Menschen verlieren. Die Typisierung ist eine tolle Sache, mit der man irgendwann vielleicht ein Leben retten kann.“

Jedes Jahr erkranken rund 13.500 Menschen in Deutschland an Leukämie – darunter viele Kinder und Jugendliche. Helfen Chemotherapie und Bestrahlung nicht, ist die Stammzelltransplantation häufig die einzige Chance, um weiterzuleben. Das funktioniert aber nur, wenn eine Spenderin oder ein Spender gefunden wird, mit den gleichen genetischen Gewebemerkmalen. Doch das ist gar nicht so einfach, da diese Genmerkmale in unzähligen Varianten vorkommen. Für jede:n zehnte:n Betroffene:n bleibt die Suche jedoch erfolglos. Aber: Je mehr Menschen sich typisieren, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, für alle Erkrankten einen Lebensretter oder eine Lebensretterin zu finden.

Junge Menschen können im Kampf gegen Leukämie besonders viel bewirken: Aus medizinischen Gründen kommen sie wesentlich häufiger als potenzielle:r Spender:in in Frage. Schulen sind daher ein wichtiger Partner der Stefan-Morsch-Stiftung. Neben der aufwändigen Suche nach passenden Spender:innen hat die Corona-Situation die Lage für Blutkrebskranke zusätzlich verschärft. Eine Sprecherin der Stammzellspenderdatei betont: „Termine vor Ort sind leider immer noch nur vereinzelt möglich. Deshalb fehlen bereits mehr als 18.000 neue Spender und Spenderinnen, im Vergleich zu den Vorjahren. Dieser Rückgang kann für Betroffene lebensbedrohlich werden. Um das aufzufangen, ist das Engagement jedes und jeder Einzelnen entscheidend!“

Typisierung

SV-Schüler*innen und Lehrkräfte werben für die Typisierungsaktion am Martinum. Foto: martinum.media


Die Stefan-Morsch-Stiftung ist Deutschlands erste Stammzellspenderdatei. Mitte der 1980er Jahre bewegte das Schicksal des 16-jährigen Stefan Morsch viele Menschen in Deutschland und weltweit. Er war der erste Europäer, dessen Leukämie durch die Übertragung von fremdem Knochenmark geheilt werden konnte. Leider starb Stefan nach einem halben Jahr an einer Lungenentzündung. Seine Idee, in Deutschland eine Datenbank für Stammzellspender:innen aufzubauen, um anderen Leukämiepatient:innen eine Chance auf Heilung zu ermöglichen, ist mit der Gründung der Stefan-Morsch-Stiftung 1986 Realität geworden. Heute sucht und vermittelt die Stiftung Stammzellspender:innen für Transplantationskliniken im In- und Ausland und koordiniert Stammzellentnahmen in enger Absprache mit der transplantierenden Klinik. Im eigenen HLA-Labor werden die eingehenden Blut- und Speichelproben potenzieller Stammzellspender:innen analysiert. Zudem fördert die Stefan-Morsch-Stiftung verschiedene Forschungsprojekte, berät und begleitet Patient:innen und ihre Familien und hilft, wenn Betroffene aufgrund der Erkrankung in eine finanzielle Notlage gekommen sind.