Weihnachtsrundbrief des Projektes Christopher

Liebe Freunde und Förderer des Projektes Christopher!

Das Jahr nähert sich dem Ende und Sie sollen erfahren, was sich in unserer Handwerkerschule am Fuß des Kilimandscharo getan und positiv verändert hat.

 

Es war und ist ein turbulentes Jahr innerhalb unseres gemeinsamen Projektes, nicht nur auf Grund der Corona-Pandemie. Wie bei uns in Deutschland haben die Auswirkungen dieses Virus auch in Tansania gravierende Folgen gehabt und zeigen sich noch. Im März erfolgte ein landesweiter Lock down, der Tansania tief ins Mark getroffen hat, sowohl sozial als auch wirtschaftlich.

Weihnachtsrundbrief

Die internationale Presse berichtet jedoch wenig über „Corona in Afrika“, zumal der tansanische Staatspräsident jegliche Veröffentlichung von Daten zur Pandemie verbietet und manche Gelehrte uns glauben machen wollen, dass die Resistenzen in der afrikanischen Bevölkerung gegenüber dem Virus größer seien als bei uns. So recht glauben mag ich das nicht. Auch unsere Berufsschule musste bis Ende Mai schließen, alle Schülerinnen und Schüler blieben zuhause und auch die Lehrer wurden ohne Gehalt heimgeschickt. Damit sie ihre Familien jedoch ernähren konnten, haben wir seitens des Projektes den Lehrern während dieser Krisenphase das halbe Lehrergehalt gezahlt, worüber sich das Lehrerkollegium sehr dankbar gezeigt hat. Inzwischen läuft der gesamte Schulbetrieb wie vorher und bisher ist in der Schulgemeinschaft noch kein Corona-Fall gemeldet worden.

Für unsere drei Freiwilligen aus Deutschland war der Ausbruch der Pandemie sehr einschneidend. Sie mussten innerhalb sehr kurzer Zeit ihre Sachen packen und nach Deutschland zurückkehren, was alle - sowohl die deutsche als auch die tansanische Seite - zutiefst bedauert haben.

Der Dachdeckermeister Jan Struchtrup wolle eigentlich den afrikanischen Gesellen bei der Errichtung der Dachkonstruktion für die neu zu errichtenden Shops helfen, aber wie so oft hat sich der Bau dieser Ladenzeile sehr verzögert, so dass er mit den beiden anderen Freiwilligen einen Holzbackofen gebaut hat, der nun der Schulgemeinde für Brot- und Pizzazubereitung zur Verfügung steht. Für alle eine Herausforderung, die sie prima gemeistert haben. Zwei weitere Freiwillige stehen schon wieder bereit, die jedoch nicht vor Oktober des kommenden Jahres in unserer Schule beginnen können, je nach Entwicklung der Pandemie.Weihnachtsrundbrief

Nun zu der oben genannten Ladenzeile. Vor Jahren schon überraschte mich die Leitung der Schule mit einem Plan, ein sogenanntes Shopping Centre zu bauen. Da unsere Seite den tieferen Sinn dieser Pläne nicht so recht erschließen konnte und auch die veranschlagten Kosten unsererseits gar nicht leistbar waren, haben wir gemeinsam diese Pläne wieder verworfen. Da wir aber wegen der neuen Fahrzeugwaschanlage hinter der Kfz-Werkstatt eine neue Einfahrt auf das Schulgelände benötigten und sich die Pläne der Regierung immer mehr verdichten, dass die Hauptstraße, die an unserer Schule vorbeiführt, verbreitert werden soll, benötigen wir in absehbarer Zeit eine neue Abgrenzung des Schulgeländes zur Hauptstraße hin. Der ursprüngliche Plan, die Schulfläche durch eine Mauer abzugrenzen, schien zu einfach und würde ohne Nachhaltigkeit nur Geld kosten. In einer Versammlung des School Boards wurde der Vorschlag gemacht, die Idee vom „Shopping Center“ wieder aufzunehmen, diesmal je-doch ganz anders. Da die Stadt Moshi am Fuße des Kilimandscharo enorm wächst, ist das Mawella Vocational Training Centre (MVTC) inzwischen von dichter Bebauung umgeben, nachdem es vor circa 20 Jahren noch allein auf freiem Feld lag. Ganz in der Nähe der Schule ist ein Subzentrum entstanden, wodurch sich der Bedarf nach Angeboten des tertiären Sektors innerhalb der Bevölkerung erhöht. So soll die geplante Mauer als Rückseite mehrerer kleiner Läden dienen, die mit ihrer jeweiligen Frontseite zur Hauptstraße hin geöffnet sind. Diese kleinen Shops werden vermietet, um weitere sichere und dauerhafte Einnahmen der Schule zu erzielen. So sind acht kleine Läden mit jeweiligem Vorratsraum entstanden, jeder Laden hat Stromanschluss mit eigenem Zähler (den WeihnachtsrundbriefStrom beziehen die Mieter  über die Photovoltaikanlage der Schule) und die Kleinunternehmer müssen ihre Miete jeweils drei Monate im Voraus bezahlen. Es gab 40 Bewerber für diese Läden und inzwischen sind einige schon eingezogen, unter anderem präsentieren sich ein Bäcker, eine Drogerie, ein Lebensmittelladen, ein Moped/Motorrad-Laden mit Reparatur, ein Damen Friseur und ein Elektroladen mit Solarangebot und Montage. Es gibt geregelte Mietverträge und bei Insolvenzen bleibt die voraus bezahlte Miete Eigentum der Schule. Die Investitionskosten wurden von unserer Seite übernommen, um einen weiteren Baustein in die permanente Eigenfinanzierung der Schule einzufügen.

Eine Besonderheit beinhaltet der Elektro- und Solarshop. Auf unseren Vorschlag hin haben wir drei junge Frauen, die Ihre Ausbildung im MVTC zur Solarelektrikerin abgeschlossen haben, ermutigt, dieses Fachgeschäft zu übernehmen und zu führen. Als Starthilfe zahlen sie im ersten Halbjahr keine Miete und wir werden sie bei der Erstinvestition seitens unseres Projektes unterstützen. Damit die Frauen den Herausforderungen gerecht werden können, kümmert sich Andreas Weischer aus Emsdetten - der Mann, der auch den Aufbau der Photovoltaikanlage begleitet hat - in Verbindung mit der Schulleitung um die Führung dieses Geschäftes. Wir verfolgen damit mehrere Ziele:

  • Frauen haben es in Tansania sehr schwer, sich selbstständig zu machen und unabhängig einem Beruf nachzugehen.
  • Wir wollen allen jetzigen und künftigen Lehrlingen des MVTC zeigen und sie ermutigen, dass es gerade für Frauen möglich ist, ein Geschäft aufzubauen und einen selbstständigen Beruf auszuüben.
  • Nicht zuletzt wollen wir für die patriarchalische, tansanische Gesellschaft ein Zeichen setzen, den Frauen mehr Eigenständigkeit und Verantwortung zu übertragen.

Ob es uns so gelingt, wie wir uns das vorgestellt haben, kann ich Ihnen im nächsten Jahr berichten. Überraschungen erleben wir in unserem Projekt immer wieder.Weihnachtsrundbrief

Die Schülerzahl der Schule liegt stabil bei circa 100 Lehrlingen. Für die nahe und weitere Zukunft ist geplant eine Klasse für Bäcker und Köche einzurichten, da diese Berufsausbildung sehr stark nachgefragt wird. In Deutschland gibt es für beide Berufe eine eigenständige Berufsschulklasse, in Tansania sind beide Berufszweige der gleichen Ausbildung zugeordnet. Dem Unterfangen müssen allerdings noch die Regierung und die Kreishandwerkerschaft zustimmen.

 Die Vanillesetzlinge, die das MVTC im neu errichteten Treibhaus züchtet, lassen sich sehr erfolgreich, mit gutem Gewinn verkaufen. Inzwischen konnten drei Serien junger Pflanzen das Folienhaus verlassen.

Die Ernte der ersten Vanilleschoten brachten ebenfalls gute Gewinne auf dem Markt. Im Gegensatz dazu war die Maisernte ein herber Rückschlag. Durch die immer wieder auftretenden Regenfälle, selbst in der Trockenzeit, ist der Mais zum großen Teil in den Kolben verschimmelt, so dass er nur noch in Teilen als Viehfutter nutzbar war. Das war ein großer Verlust, zumal jetzt der Mais für das tägliche Mittagessen zugekauft werden muss. Der Klimawandel wird auch am Kilimandscharo immer deutlicher spürbar.

Ende Oktober gab es in Tansania Landes- und Kommunalwahlen. Der bisherige Bürgermeister von Mawella, ein junger Rechtsanwalt, ist ein geborenes Mitglied im School Board und wurde mit überwältigender Mehrheit als Bürgermeister wieder gewählt. Für das MVTC ein ermunternder Ausblick auf öffentlichen Zuspruch, Unterstützung und Anerkennung für die nächsten Jahre. Auch der neue Pfarrer der Gemeinde scheint für unser Projekt eine große Hilfe zu sein.

WeihnachtsrundbriefIm kommenden Jahr wollen wir die vorhandene Photovoltaikanlage weiter ausbauen, um weitestgehend unabhängig vom unzuverlässigen tansanischen Stromnetz zu werden. Sollten unsere Mittel reichen, werden wir mit dem Bau einer Schulungsküche mit angeschlossenem Klassenraum beginnen, um im darauf folgenden Jahr für die Koch- und Bäckerausbildung die entsprechende Infrastruktur bereitstellen zu können. Der Oster- und Adventsbasar mussten in diesem Jahr wegen Covid 19 ausfallen, für das Projekt ein herber finanzieller Verlust.

Wir sind sehr glücklich darüber, dass Sie uns die Treue halten und wir weiterhin auf Ihre Hilfe zählen dürfen. Unser Dank gilt selbstverständlich all denen, die sich in diesem Jahr in irgendeiner Weise für unser gemeinsames Projekt engagiert haben. Ich liste nicht alle Einzelinitiativen hier auf, sondern ich bitte Sie, fühlen Sie sich eingeschlossen in unseren Dank an alle, mit einem herzlichen „Vergelt's Gott!"

Euer und Ihr

J. Lülf


Ein Projekt der Pfarrgemeinde St. Pankratius in Emsdetten

Spendenkonto Tansania:
Darlehnskasse im Bistum Münster
BIC: GENODEM1DKM
IBAN.: DE 644 006 026 500 034 438 00

www.projekt-christopher.de